
Herzog Christian-Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf gründete 1665 die Universität an der Förde. Ausschlaggebend war, daß anders der Bedarf an qualifizierten Beamten und an gut ausgebildeten Priestern nicht zu decken war. Daß er sich für den Standort Kiel entschied, beruhte auf dem Angebot des Rates der Stadt, das ehemalige Franziskanerkloster kostenlos zur Verfügung zu stellen. Finanzprobleme gab es schon zu Gründungszeiten, obwohl der Herzog die einzige höhere Schule des Herzogtums in Bordesholm mit der Universität verschmolz, um deren Ausgaben decken zu können. Immerhin gestand er der Universität einen eigenen Rechtsbereich zu, die sogar als Stand auf dem Landtag vertreten war. Nach vielversprechendem Start fehlte den Herzögen dann bis Mitte des 18. Jahrhunderts das Geld, die Universität voranzubringen, da die Kriege gegen Dänemark alle Resourcen verbrauchten. Erst unter der Regierung der russischen Zarin Katharina erwachte die Christiana Albertina zu neuem Leben, denn zukünftige Beamte in den Herzogtümern wurden verpflichtet, mindestens zwei Jahre in Kiel zu studieren. Mit der Vereinigung der Herzogtümer im Jahr 1773 begann der entscheidende Aufschwung der Universität. Viele Bereiche wie die Medizin ebenso wie die Geisteswissenschaften (z.B. mit den Professoren Dahlmann und Waitz) entwickelten sich zu Wissenschaftszentren für Skandinavien wie für das Reich. Obwohl Kiel nach der Annexion der Herzogtümer 1866 nur noch eine von vielen preußischen Universitäten war, nahm die Zahl der Studenten seit den 1870er Jahren erheblich zu. So wurde ein Neubau der Universität notwendig, der – entworfen durch die Berliner Architekten Gropius und Schmieden – am Ende des Schloßgartens an der Kieler Förde lag. Zahlreiche weitere Gebäude kamen im Verlauf des 19. Jahrhunderts hinzu.
In Folge der Umwälzungen in Deutschland im 20. Jahrhundert wandelte sich die Christiana Albertina von einer kaiserlichen Universität hin zu einer streng nationalsozialistisch ausgerichteten Lehranstalt.
Zu den zahlreichen Nobelpreisträgern der Universität gehören unter anderen Theodor Mommsen (Literatur 1902), Philipp Lenard (Physik 1905), Max Planck (Physik 1918) und Otto Diels (Chemie 1950). Von den ehemaligen Wirkungsstätten der Gelehrten ist heute nur wenig übrig, denn im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden fast alle Universitätsgebäude zerstört; die Universitätsbibliothek verlor den Großteil ihrer Bestände. 1945 konnten die Engländer überzeugt werden, die Gebäude einer ehemaligen Waffenfabrik zur Verfügung zu stellen. Das ursprünglich zu dieser Fabrik gehörende Portal am Westring bildet noch heute das Zentrum des Campus. In unmittelbarer Nachbarschaft wurden in den 60er Jahren neue Gebäude errichtet: 1965 die Universitätskirche, 1969 das Auditorium Maximum, in dem die KiVS’11 stattfinden wird. Mittlerweile erstreckt sich die Universität über ein Areal von mehreren Quadratkilometern, im Jahr 2001 wurde die moderne neue Universitätsbibliothek eingeweiht. Die Campusuniversität am westlichen Stadtrand Kiels hat heutzutage acht Fakultäten, in der heute über 20 000 Studierende eingeschrieben sind.
Die CAU versteht sich als “Universität verbundener Wissenschaftskulturen”, in der forschungs- und lehrorientierte Bündnisse über Fächergrenzen hinweg gefördert werden. Aus dieser Zielsetzung ergeben sich Schwerpunkte, die maßgeblich die Wettbewerbsfähigkeit der Landesuniversität erhöhen.
Kiels Lage am Meer begründet die breit ausgebauten und international hervorragend ausgewiesenen Meereswissenschaften, die sich eng mit anderen Disziplinen vernetzen. Biologen, Chemiker, Geologen oder Physiker: Alle, die sich für die Geheimnisse in den Tiefen der Weltmeere interessieren, finden optimale Arbeitsbedingungen. Der Universitätsschwerpunkt “Meeres- und Geoforschung” bündelt seine Projekte zum Thema Meer zusätzlich im Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft«, an dem u. a. das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und mehrere Fakultäten der CAU beteiligt sind.
Der Forschungsschwerpunkt Angewandte Lebenswissenschaften ist eine Schnittstelle unterschiedlicher Fachgebiete wie Agrarwissenschaften und Medizin. Unter diesem Schwerpunkt führen Naturwissenschaftler Fragestellungen zu molekularer Diversität von biologischen Systemen zusammen und entwickeln ein gemeinsames Verständnis für die Mechanismen der Systeme “Mensch”, “Tier” und “Pflanze”. Zugunsten von Großprojekten und Sonderforschungsbereichen holt man sich auch hier nationale und internationale Partner ins Boot. So etwa beim Exzellenzcluster »Entzündungen an Grenzflächen«, das sich zwischen den Universitäten Kiel und Lübeck und dem Forschungszentrum Borstel spannt.
Einen weiteren Forschungsschwerpunkt bilden die Kulturellen Räume, in dem in der Graduiertenschule »Entwicklung menschlicher Gesellschaften in Landschaften« junge Archäologen und Geowissenschaftler, Historiker und Mediziner, Altphilologen und Biologen fächerübergreifend auf ihre Promotionen vorbereitet werden. Ihr gemeinsames Thema: der Raum als bestimmendes Element menschlicher Entwicklung.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt wird durch die Nanowissenschaften/Oberflächenforschung gebildet. Orientiert an Vorbildern der Natur verkleinern die Forscher technische Prozesse auf eine molekulare Ebene und untersuchen, wie sich die Effizienz bestehender Technologien steigern lässt. Hochspezialisierte Sonderforschungsbereiche wie “Funktion durch Schalten” oder “Grundlagen komplexer Plasmen” arbeiten zum Beispiel an der Entwicklung molekularer Maschinen oder funktionaler Oberflächen im Nanometerbereich.
Ach ja, nun kann auch das Geheimnis der Farben im Logo gelüftet werden. Jede Farbe steht für eine Fakultät der CAU, nämlich
- das Lila für die Theologische Fakultät
- das Dunkelblau für die Technische Fakultät
- das Hellblau für die Philosophische Fakultät
- das Türkis für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
- das Dunkelgrün für die Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät
- das Hellgrün für die Medizinische Fakultät
- das Orange für Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät und
- das Rot für die Rechtswissenschaftliche Fakultät.
Carsten Jahnke (http://www.historikertag.uni-kiel.de/unikiel.html)
Aktualisierungen von Norbert Luttenberger
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